Hufrehe und ISG-Problematik

Neu: ISG-Problematik und Hausuafgaben für die Besitzerin am Textende

Das Pfed

15-jähriger Haflinger, galt beim Wechsel zum jetzigen Besitzer als unreitbar, nicht schmiedefromm sowie nicht verträglich mit anderen Pferden. Das Pferd schien unterfordert, auch die Haltungsbedingungen waren nicht optimal. Er zeigte sich als ein unterwürfiges Pferd, das keinen Kontakt zu den anderen Pferden suchte.

Bewegungsverhalten und Hufsituation vor Behandlung

Steifheit auf der Hinterhand, vor allem begrauf. Allgemein brüchige und schlechte Hufe. Das Pferd lief kaum auf hartem oder steinigem Boden. Vorne vermutete Hufrehe, auf Grund vergößerter weißer Linie und wellenförmiger Hornstruktur. Beim Vorführen zeigte das Pferd einen deutlich aufgesprägten Wendeschmerz. Nach Angaben des Besitzers lief das Pferd bei einem vorherigen Erstbeschlag mit Eisen zunächst besser, um dann beim Zweitbeschlag erneut schlecht zu laufen.

Hufbearbeitungsschritt 1: Das Pferd auf der Vorhand mobilisieren

Aluminium-NBS-Beschlag der Vorhand mit Luwex-Gitternetzeinlage und Hufrehepolster (Bild unten stehend).

Beschlagsziel

Zentrale Aufgabe des Erstbeschlags war es, dem Pferd ein schnelles Abrollen (NBS-Beschlag) zu ermöglichen und die Einwirkung auf den Schmerzpunkt zeitlich durch eine verbesserte Stoßdämpfunge zu verkürzen. Bezüglich der Stoßdämpfung wurden drei Optionen auf einmal angewendet, da die Schmerzempfindlichkeit bei Belastung als zentrales Problem erschien: Hufrehepolster, Luwex-Kunststoffeinlage zwischen Huf und Beschlag sowie Aluminium als Beschlagsmaterial.

Ergebnis

Direkt nach dem Beschlag zeigte sich das Pferd auf hartem/steinigem Untergrund deutlich gehfreudiger. Diese posistive Entwicklung verstärkte sich bis zum Zweit-Beschlag.

Hufbearbeitungsschritt 2: Beschlagsvereinfachung

Nachdem die akute Schmerzhaftigkeit abgelungen war, wurde der Beschlag schrittweise “vereinfacht”. Bei den folgenden Beschägen wurde das Hufrehepolster weggelassen. Dies war möglich, da sich das Laufverhalten auf deutlich verbessertem Niveau stabilisierte. Problematisch wurde jedoch, dass in Folge der erhöhten Nutzbarkeit des Pferdes, die verwendeten Aluminium-Beschläge einer erhöhten Abnutzung unterlagen. Dadurch ergab sich die Notwendigkeit, auf das stoßdämpfende Beschlagsmaterial Aluminium verzichten zu müssen. In der Konsequenz bedeutete dies den Umstieg auf einen NBS-Stahlbeschlag - Stahl, ein Beschlagsmaterial, mit welchen vor Behandlungsbeginn schlechte Erfahrungen gemacht wurden. Da das Pferd jedoch eine ca. 6-monatige Ausheilungsphase hinter sich hatte, konnte der Schritt gewagt werden.

Hufbearbeitungsschritt 3: Auf einmal Probleme auf der Hinterhand

Der Umstieg auf einen stoßgedämpften NBS-Beschlag der Vorhand funktionierte problemlos. Problematisch wurde jedoch eine zunehmende Steifheit/Lahmheit der Hinterhand. Als Ursache hierfür ist das verbesserte Laufverhalten der Vorhand zu werten. Durch ein “vorne” verbessertes Laufen wurde der Bewegungszwang auf die “steife” Hinterhand erhöht. Das Pferd fiel zunehmend “auseinander”: Vorne die mobilere Vorhand, hinten die zunehmend überforderte Hinterhand.

Um die Mobiltät der Hinterhand zu verbessern, erfolgte ein Duplo-Kunststoff-Beschlag (allgemeine Stoßdämpfung bei unklarer Befundsituation), wodurch sich das Laufverhalten der Hinterhand sofort verbesserte.

 

 

 

 

 

 

Bilder: stoßgedämpfter NBS-Stahlbeschlag der Vorhand und Duplo-Kunststoff-Beschlag der Hinterhand.

Ausblick

Im Zentrum der weiteren Behandlung sollte die Problematik der Hinterhand stehen. Hierzu ist eine osteopathische Befundung anzuraten, die gleichzeitig eine Anpassung des Reittrainings auf die Befundsituation umfasst. Eine daraus resultierende verbesserte Mobilität, bietet die Möglichkeit zur weiteren huftechnischen Beschlagsvereinfachung.

Ein Jahr später

Als Hufschmied war mir aufgefallen, dass das Pferd auf der Hinterhnad zunehmend zu einer gleitenden Auffußungsbewegung neigte. Ich vermutete, dass das Pferd damit einem zu harten, eventuellem schmerzhaften Auffußen ausweichen wollte und empfahl eine osteopathische Befundung.

Osteopathie (Diagnose: Esther Weber-Voigt)

Das Pferd stellte sich mir als ein sehr kooperatives Pony vor, wenn man weiß, was die Besatzerin sagt, dann war das nicht immer so. Er ließ alle Untersuchungsgänge gut mit sich durchführen. Auffällig war folgendes:

  • · Schweifschiefstand
  • · Druckempfindlichkeit auf Höhe ISG, nur links
  • · In der Protraktion der rechten Vorhand war eine deutliche Einschränkung zu spüren. Jedoch ließ sich kein Anzeichen für eine akute Verletzung oder Beeinträchtigung der Sehnen, weder oberflächlichen, noch tiefe, noch Fesselträger bestätigen. Ich gehe davon aus, dass sich aufgrund einer älteren Verletzung das Gewebe verkürzt hat.
  • · Lateroflektion in der HWS nach links eingeschränkt

Behandlungsvorschläge:

Ich habe drei verschiedene Homöopathika verschrieben, auf Höhe ISG ein Kinesiotapge geklebt und Übungen an der Hand gezeigt, um das ISG zu mobilisieren.

Die Sehnenstrukturen an der Vorhand sollten leicht massiert und gedehnt und unter Umständen mit einem Low Laser therapiert werden.

Hausaufgaben der Besitzerin: Tagesprotokolle

27.10.2013: Erste Behandlung, Anbringen von Tape,Verabreichung von Globulis Nux Vomica C30, Hausaufgaben: für mehr Beweglichkeit, Hinterhand übertreten, Schweif dehnen, Hals Biegung, zulegen in den Gangarten, evtl.Stangenarbeit.

28.10.2013: Beginn der Hausaufgaben: Nach Aufwärmphase an der Hand mit rückwärts Richten und Hinterhand übertreten begonnen: Schweif dehnen und Halsbiegung. Zuerst etwas schwierig, immer wenn es einigermaßen geklappt hat, haben wir die Übung beendet damit er eine positive Erfahrung machte. Globulis in Apotheke geholt.

30.10.2013: Lösungsphase an der Longe. Schritt und Trab mit Zulegen in den einzelnen Gangarten, danach Hinterhand übertreten und rückwärts Richten geübt. Hat diesmal besser geklappt, da er wusste was ich von ihm erwarte. Dehnung Schweif und Hals noch etwas problematisch, findet er wohl doof. Tapes halten.

31.10.2013: Aufwärmen an der Hand. Im Schritt zulegen klappt naja. Übertreten der Hinterhand und rückwärts Richten klappt gut. Dehnen von Schweif und Hals wird lockerer; er wehrt sich nicht mehr dagegen. Massage der Hinterhand Muskulatur. Tapes halten.

01.11.2013: Pause

02.11.2013: Lösung an der Longe in Schritt und Trab mit Zulegen in den einzelnen Gangarten, Schritt/Trab Übergänge geübt. Dann über Stange im Schritt und Trab, ohne hängen zu bleiben. Auf jeder Hand zwei Runden im Galopp, locker gelaufen! Übertreten der Hinterhand und rückwärts Richten, Dehnung Hals und Schweif klappt heute gut. Tag mit vielen Erfolgen. Tapes halten.

03.11.2013: Massage Rückenmuskulatur, Dehnung Schweif und Hals. Danach Reiten im Schritt und Trab, mit Übergängen in den einzelnen Gangarten. Schritt/Trab Übergänge, halten/rückwärts Richten. Danach vom Boden aus Hinterhand übertreten, klappt unterm Sattel noch nicht! Tapes lösen sich langsam.

04.11.2013: Aufwärmen an der Hand mit Zulegen im Schritt. Übertreten der Hinterhand und Rückwärts richten, Dehnung Hals und Schweif heute wieder schlechter, Massage der Rückenmuskulatur, danach entspannt nochmal Dehnung geübt, klappte besser. Tapes halten.

04/05/06.11.2013: Lösungsphasen an der Longe, Schritt/Trab Übergänge. Zulegen in Schritt und Trab, danach an der Hand Übertreten der Hinterhand, rückwärts Richten, Dehnung Hals und Schweif. Teilweise an der Longe mit einer Stange geübt.

08.11.2013: Dehnung Schweif und Hals, Übertreten der Hinterhand, rückwärts Richten, danach geritten, Tempo zulegen im Schritt und Trab, Rückwärts richten.

09.11.2013: Bodenarbeit mit Dehnung von Schweif und Hals, Seitwärts-und rückwärts Richten, übertreten der Hinterhand.

10.11.2013: Tapes haben sich gelöst, nach Absprache mit Frau Weber-Voigt Tapes selbst erneuert. Lösungsphase mit Schweif und Hals dehnen. Beim Reiten im Schritt und Trab über Stange, die ersten Schritte unterm sattel Seitwärts gelaufen.

12./13/14.11.2013: Longenarbeit mit Tempowechsel, im Schritt und Trab über eine Stange, jede Hand zwei Runden Galopp klappt schon besser! Dehnung und Übertreten.

15./16.112013: Lösungsphase an der Hand mit Dehnung und Hinterhand Übertreten. Beim Reiten mit einer Stange geübt im Schritt und Trab, zulegen im Schritt und Trab.

19./20.11.2013: Bodenarbeit, mit Scheutraining, Dehnung, Übertreten, Tempowechsel

21./22.11.2013: Longenarbeit, das erste Mal mit zwei Stangen im Schritt und Trab, auf jeder Hand zwei Runden Galopp, Tempo zulegen im Schritt und Trab, Dehung und Übertreten.

23.11.2013: Lösungsphase an der Hand mit Dehnung und Übertreten, dann bei Reiten mit einer Stange im Schritt und Trab geübt. Wieder ein paar schritte seitwärts unter dem Sattel.

 

2 Gedanken zu “Hufrehe und ISG-Problematik

  1. Mit viel Liebe und ein wenig Hilfsmitteln bekommt man vieles hin. Ich hoffe für dieses Pferd das Beste. Der Weg zur Besserung wurde ja hoffentlich schon erfolgreich eingeläutet. Vielleicht muss er jetzt nur noch weitergegangen werden.

  2. Hallo Carsten,
    die Weichen für den besseren Lebensweg sind gestellt und mittlerweile geht es dem dicken richtig gut, endlich darf er Pferd sein!
    Er wird regelmäßig gearbeitet und ist mit Spaß bei der Sache.
    Dank Michaels tollen Beschlagkünsten und Konsequenter Diät, viel zuwendung und dem ein oder anderen Mittelchen werden wir noch viele schäne Jahre zusammen erleben.

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