Fohlen mit Fehlstellung

 Fohlen mit Fehlstellung

Bisher publiziert:

  • Ausgangssituation
  • Behandlungsschritt 1: Tierärztliche Diagnose
  • Behandlungsschritt 2: Erste Hufkorrekturen und Gipsverband
  • Behandlungsschritt 3: Blutegelbehandlung und Low Level Laser Therapie
  • Behandlungsschritt 4: Beschlag
  • Behandlungsschritt 5: Korrektur durch Beschlag
  • Behandlungsschritt 6: Nachbau natürlicher Gliedmaßenverlauf
  • Behandlungsschritt 7: Erneuter Klebeschuh
  • Erfolgskontrolle: “Das kleine Knochenwunder”
  • Perspektive für die Zukunft

Falldokumentation: (Esther Weber-Voigt, Dorothea Weber, Michael Zanger, Armin Probst)

Hinweis: Den aktuellen Behandlungsschritt finden Sie jeweils am Textende!

Die Ausgangssituation

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Bild oben: Das junge Fohlen mit Fehlstellung

Mitleidskauf einer 2 jährigen Quarterhorsestute, die nach Auskunft des Vorbesitzers mit einer starken Durchtrittigkeit geboren wurde und fälchlicherweise mit Stützverband behandelt wurde. Es erfolgte zudem eine unsachgemäße Hufkorrektur. In der Folge entwickelte der rechte Hinterhuf eine massive Fehlstellung mit ab dem Fesselgelenk median zur Köpermitte gekipptem Achsenverlauf der Zehenknochen. Zudem entwickelten sich massive Hautnekrosen. Das Pferd läuft durchtrittig, schmerzfrei aber mit extremer Rotation im Fesselgelenk.

Prognose: Es sind massive Folgeschäden durch Überlastung der Zehengelenke absehbar.

Behandlungsschritt 1: Tierärztliche Diagnose

Röntgologisch ergab sich:

  • massive Achsenabweichung und Deformation von Hufbein, Kronbein und Fesselbein
  • lateral spangenartige Fesselgelenkarthrose, bereits stark durchbaut
  • medial zahlreiche Gelenksverkalkungen und ebenfalls Arthrose

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Behandlundlungschritt 2: Erste Hufkorrekturen

Das Ziel der Hufbearbeitung war es, der Assymetrie der Hinterhand -soweit es das Alter des Fohlens noch zuließ- entgegen zu wirken. Idealerweise wäre hierzu ein, die Hufaußenseite unterstützender Beschlag oder Klebeschuh, erforderlich.

Allerdings ließ die extreme Achsenschiefe zunächst keine derartige Maßnahme zu. Daher wurde der Huf durch deutliches Kürzen der zu langen Zehe und deutliche Wegnahme des inneren Tragrandes barhuf bearbeitet. Damit sollte ermöglicht werden, dass ein von der behandelnden Tierärztin präferierter anmodellierter Gips, die äußere fehlende Hufseite nachbaut und auf der Gliedmaßenaußenseite unterstützend wirkt.

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Bild oben: Gipsverband, der die Hufaußenseite nachmodelliert: Lateral und caudal vergrößerte Auftrittsfläche mit Silikonmasse unterstützt.

Allein durch die Barhufkorrektur konnte eine deutliche Aufrichtung der Zehe erzielt werden.

Tierärtzliche Empfehlungen: grundsätzlich sollte das Pferd möglichst kontrolliert auf hartem und weichem Boden in Schritt bewegt werden, sehr gut wäre ein mit Gummimatten gedämpfter Boden, engmaschige Hufkorrektur.

Behandlungschritt 3: Blutegelbehandlung und Low Laser Therapie

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Bild oben: Blutegelbehandlung und Low Level Laser Set

Aufgrund einer angeborenen Fehlstellung wurde ich als Osteopathin dazu gerufen und behandelte das Pferd mit Egeltherapie und Low Level Laser Therapie. Es ist beeindruckend wie hier das Team Tierarzt, Schmied und Osteoptahin die Fehlstellung schon nachhaltig verbessern konnte und wir die Entzündung aus dem Fesselgelenk durch die Egeltherapie eliminiert haben. Wir haben noch einen langen Weg vor uns aber meine Hoffnung geht dahin, dass sie irgendwann mit einem Orthopädischen Beschlag laufen kann und sich nicht mehr das Einsen runter tritt und wir dann mit ihr an der Hand arbeiten können und sie darin ihre Bestimmung findet.

Die Low Level Laser Therapie setzt bei solchen Befunden in drei Bereichen an:

  • der ATP-Synthese Stimulierung und damit einer massiv beschleunigten Zellregeneration, z.B. bei Verletzungen
  • der Entzündungshemmung durch Stimulierung körpereigener Cortisonausschüttung u
  • und einer deutlichen Schmerzlinderungen, gleichfalls über körpereigene Stoffe.

Behandlungschritt 4: Beschlag

Leider fiel der Gipsverband schon nach einigen Tagen ab, da trotz verbesserter Aufrichtung des Hufes auch weiterhin kein Klebeschuh bzw. Hufbeschlag möglich war, wurde in den nächsten Wochen der Huf in kurzen Abständen von ca. 2-3 Wochen regelmäßig barhuf bearbeitet. Nach ca 3-4 monatiger Hufkorrektur hatte sich die Hufaußenseite soweit aufgerichtet, dass es möglich wurde, einen Beschlag dort mit zwei Nägeln zu fixieren. Allerdings war der laterle Hufwand- und Sohlbereich weiterhin ca. 1-1,5 cm zu einer planen Sohle-Strahl-Ebene verschoben, so dass zum Ausgleich ein Keil eingearbeitet werden musste. Für ein schnelleres Abhufen auf der durchtrittigen Hand wurde ein NBS-Beschlag angebracht.

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Bilder oben: NBS-Beschlag mit außemseitigen Keil

Der erste deartige Beschlag hielt den immer noch großen Zug- und Belastungskräften auf der Hufaußenseite zwei Wochen Stand. Nach erneuter Hufkorrektur konnte er unter weiteter Aufrichtung der Achsenlinie erneuert werden.

Behandlungsschritt 5: Korrektur durch Beschlag

Das erste Mal hielt der Beschlag auf der rechten Hinterhand mit Achsenverschiebung eine komplette Beschlagsperiode. Damit war es erstmals möglich, die deutlich untergeschobene laterale Hufwand längerfristig zu unterstützen und etwas zu entlasten. Das Pferd wurde erneut wie in Behandlungsschritt 4 dargestellt beschlagen und mit Blutegel therapiert. Die Achsenverschiebung konnte wieder etwas korrigiert werden.

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Bild links: Der erste Beschlag der fünf Wochen hielt

Bild rechts: Weitere Achsenkorrektur beim erneuten Beschlag

Behandlungsschritt 6: Nachbau eines natürlichen Gliedmaßenverlaufs

Durch einen erneuten Beschlag könnte keine weitere Verbesserung der äußeren Wandschiefe mehr erreicht werden, obwohl sich die über dem Huf vorhandene Achsenschiefe bereits deutlich verbessert hatte.

Das behandelnde Team beschloss daher, mittels Klebebeschlag die fehlende äußere Hufwandstruktur nachzubauen, um so einen Gliedmaßenverlauf zu schaffen, der einer natürlichen Situation entsprechen würde (s.u.)

Der Klebebeschlag wurde auf der äußeren Seite mit einer stoßgeferderten Funktion versehen.

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Bild links: eine frühe Ausgangssituation mit deutlicher Achsenschiefe

Bild rechts: korrigierte Achsenschiefe und Nachbau eines weitgehende natürlichen Gliedmaßenverlaufs mittels Klebebeschlag

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Bild oben: Klebebeschlag mit lateraler Unterstützungsfläche und äußerem stoßgefederten Schenkel.

Behandlungschritt 7: Erneuter Klebeschuh

Es war spannend zu sehen, wie und ob sich der Huf in seiner Form nach Abnahmne des ersten Klebebeschlags entwickelt hat. Das Ergebnis war eindeutig positiv in folgender Hinsicht:

1. Laufverhalten: Das Pferd nahm im Zeitraum von 5 Wochen, die der Klebebeschlag angebracht war, die ihm lateral künstlich nachgebaute und angebotene “Auffußungsfläche” an. Dadurch verringerte sich die “Kippelbewegung” beim Auf und Abfußen des Hufes. Beim nun erneut durchgeführten Klebebeschlag, wurde das stützende Eisen daher wieder etwas weiter lateral gelegt, um die dortige Auffussungsfläche zu vergrößern.

2. Aufrichtung der lateralen Hornwand: Die laterale Hornwand konnte sich unter dem Schutz des Klebeschuhs deutlicher aufrichten, was die Hoffnung nährt, dass ein Zielzustand erreicht werden kann, der mittels Beschlag oder eventuell sogar barhuf der Hinterhand Stabilität gibt. Für dieses Ziel muss die laterale Hufwand jedoch in eine komplett tragende Funktion kommen.

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Bild links: Früheres Hufstadium mit deutlich negativer und komplett untergeschobener äußerer Hufwand.

Bild rechts: Nach dem Klebebeschlag sich stetig “aufrichtende” äußere Hufwand.

3. Palpation: Nach Auskunft der Besitzer hat die Schmerzhaftigkeit im Beckenbereich nachgelassen. Erstmals waren verminderte Abwehrreaktion beim Berührung und Druck ausüben zu erkennen. Hier bietet es sich an, dieses gewonnene Potential durch eine begleitende osteopathische Behandlung zu nutzen und auszubauen.

Erfolgskontrolle: “Das kleine Knochenwunder”

Seit über einem Jahr hat sich unser Team der Herausforderung gestellt, Lösungen zu entwickeln, die helfen, die Fehlstellung des Fohlen zu lindern. Wir haben dabei viele Wege ausprobiert. Aus Sicht der Hufbearbeitung haben wir:

  • barhuf gearbeitet
  • Aluminium- und NBS-Beschläge mit und ohne Keil verwendet und
  • einen Klebeschuh in Kombination mit einem Gipisverband angebracht

Aus physiotherapeutischer und osteopathischer Sicht haben wir gearbeitet mit:

  • Physiotherapie und Osteopathie
  • Blutegelbehandlung
  • Akkupunkutur
  • Taping
  • Homöopathie und Lasertherapie

Diese von Esther-Weber-Voigt und M. Zanger unter tierärztlicher Begleitung durch Dorothea Weber durchgeführte und aufeinander abgestimmte Arbeit am Pferd sollte nun auch diagnostisch auf ihren Erfolg hin untersucht und bewertet werden. Heraus kam ein aktuelles Röntgenbild der Zehensituation. Die gefundenen positiven Veränderungen kann man als ein “Kleines Knochenwunder” bezeichnen, das wir alle so nicht erwartet hätten:

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Bild links: Situation 2013: Das Kronbein ist deutlich deformiert. Lateral (im Bild linke Seite) sieht man, wie die Gelenklinien zum darüber liegenden Fesselbein und dem darunter liegenden Hufbein seitlich deutlich abfallen und verschoben sind.

Bild rechts: Situation 2014: Das Kronbein aber auch das darüber liegende Fesselbein haben sich fast komplett in eine normale Wachstumsform korrigiert. Besonders auffällig ist, dass die ehemals seitlich abfallenden Gelenklinien sich aufgerichtet haben. Die ehemals schräg verzerrte Form des Kronbeins hat sich zu einer typischer Weise zu erwartenden fast gleichmäßigen Würfelform entwickelt!

Unser Team bedankt sich bei allen, die zu diesem Erghebnis beigetragen haben und schließt in diesen Dank die Besitzer, die Willens waren, diesen Weg auch zu gehen, ausdrücklich mit ein.

Perspektive für die Zukunft

Letzte aktuelle Befund Osteopathin (Esther-Weber-Voigt)

Bei unserem letzten gemeinsamen Termin bei Amie, stellte ich eine leichte Wärme am Fesselkopf, vermehr lateral, fest und brachte 6 Blutegel an, die trotz Kälte sehr gut bissen. Bei der gesamte Entwicklung des Pferdes ist als sehr positiv zu bewerten, da auch keinerlei muskulären Verspannungen mehr im Bereich der ISG zu palpieren sind. Ob sie jemals komplett barhuf gehen kann, lässt sich abwarten.

Einschätzung Hufschmied (Michael Zanger)

Wir konnten durch verschiendene huftechnische Maßnahmen eine deutliche Korrektur der Achsenverschiebung erreichen, für eine konplette Regeneration wäre ein früheres Eingreifen seitens der Vorbesitzer nötig gewesen.

Der erzielte Erfolg basiert auf

  • Experimentierfreudigkeit aller beteidigten Experten bei Maßnahmen der huftechnischen Achsenkorrektur sowie beim therapeutischen Ansatz
  • dem direkten Informationsfluss aller Behandelnden sowie
  • dem vorbildlichen Einsatz der Pferdebesitzer für dieses Pferd.

Lauftechnisch zeit das Pferd schon Phasen eines fast runden Laufbildes, ob diese Entwicklung ausreicht, dass das Pferd auch einmal barhuf -ohne huftchnische Unterstützung der überlasteten Aussenwand- gehen kann, ist eher spektisch zu beurteilen, dennoch sollte es zunehmend möglich werden zu einer einfacheren Beschlagsvariante zu wechseln.

 

 

 

 

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