Moderne Hufpflege & Bearbeitungstheorien

Zunächst einmal: Es gibt keine feste Regel für die richtige Bearbeitung eines Pferdehufes. Es gibt jedoch eine feste Regel, um die Qualität der Hufbearbeitung bzw. Hufpflege festzustellen und die lautet schlicht und einfach: Wie gut läuft mein Pferd?!

Bei der modernen Hufpflege greift man auf folgende Bearbeitungstheorien zurück:

Fußungstheorie

  • Hierbei wird dort Hornmaterial weggenommen, wo das Pferd zuerst auffußt.

Zehenachsentheorie

  • Hierbei wird in der Betrachtung des Hufes von vorne auf der Hufseite (innen oder außen) Hornmaterial weggenommen, wo mehr Hornmaterial vorhanden ist.

Fesselachsentheorie

  • Hierbei wird in der Betrachtung des Hufes von hinten auf der Hufseite (innen oder außen) Hornmaterial weggenommen, wo mehr Hornmaterial vorhanden ist. Kronrandtheorie Hierbei wird dort Hornmaterial weggenommen, wo der Kronrand im Verlauf weiter hinaufreicht.

Sohle-Strahl-Ebene-Theorie

  • Hierbei wird dort Hornmaterial weggenommen, wo bei der horizontalen Betrachtung der Hufsohle mehr Hornmaterial vorhanden ist.

Der unbearbeitete Huf zeigt auf der Innenseite eine flacher werdende Wand mit überschüssigem Horn. Nach der Bearbeitung erkennt man die Hornwegnahme und den dadurch wieder symmetrisch ausbalancierten Huf. Die Ursache für das Ungleichgewicht der Hornverteilung kann sowohl durch die Gliedmaßenstellung des Pferdes bedingt sein, als auch in Folge von Erkrankungen im Bewegungsapparat auftreten.

Mutiger Schnitt: Hufkorrektur bei einem Pony mit chronischer Hufrehe. Im Hintergrund der unbearbeitete Huf, der das Abrollen erschwert und die Zugkräfte auf das bereits rotierte Hufbein erhöht.

Neu vorgestelltes Pferd mit starkem Hornwachstum.
Das Wachstum ist im Zehenbereich besonders intensiv, dies führte
zu untergeschobenen Trachten. In der Folge flachte der Hufwinkel
zusehends ab (auf unter 50 Grad).
Dadurch läuft das Pferd schnabelig und beginnt zu stolpern.
Durch die verlängerte Abfussungsphase erhöht sich auch die
Belastung für den Hufrollenapparat, was langfristig zu Schäden
führen kann.
Nach der Hufbearbeitung betrug der Hufwinkel 56 Grad.
Das Abfussungsverhalten hatte sich sofort deutlich verbessert.
Im Bild ist im Vordergrund der bearbeitete und im Hintergrund der noch unbearbeitete Huf zu erkennen. Bei regelmäßiger Bearbeitung kann damit auch der Trachtenzustand verbessert werden.

Ein Kaltblut mit losgelöster Hornwand auf der Innenseite des rechten Vorderhufes als Folge eines Hufgeschwürs.
Mit dieser Beeinträchtigung konnte das Pferd nicht mehr gearbeitet werden. Ein Beschlag konnte nicht angebracht werden. Es wurde zu einer reduzierten Nutzung geraten und der Huf in kürzeren Zeitabständen (alle 4 Wochen) bearbeitet.
Das wichtige Ziel dabei war es, ein weiteres Ausbrechen der Hufwand und insbesondere ein Wegbrechen der noch verbliebenen -den Huf innen stützenden- Trachte zu verhindern. Bereits nach zweimaliger Bearbeitung hatte sich die Hufsituation deutlich gebessert.